Der Druck auf die Taste

Als Willy Brandt das Farbfernsehen einschaltete


war es gerade zehnuhrsechsundfünfzig. Die Kollegin hatte recht behalten. Sie war informiert, sie hatte vorher Zeitung gelesen, sie sagte nämlich: „Jetzt kommt Willy, der drückt auf die Taste, und jetzt geht’s los“. Denn vorher hatte man schon lange die gewohnt schwarz-weiß verschattete Menschenmasse betrachtet, das mit vielen Streichern besetzte Berliner Symphonie-Orchester hinter einer lieblichen Ballustrade, die eine Terrasse im Sendesaal vortäuschte. Man hatte die zum Teil markigen deutschen Intendantengesichter beäugt, registriert,  wer  alles da war und  wie  erlaucht also diese Stunde des Tastendrucks war.... Aber nun war zehnuhrsechsundfünfzig und der Tastknopf erlebte seine historische Minute, die ihn ins Deutsche oder doch ins Postmuseum bringen wird: Er kam groß ins Bild, wurde plötzlich bunt, der Außenminister drückte nach unten, und flugs sprangen die Damen und Herren des Berliner Ballets, das uns vorher noch schwarz-weiß unterhalten hatte, vor die Symphoniker-Ballustrade und tanzten, sie tanzten, die Herren in grau-weiß-grünem Kostüm, die Damen in glänzendem Rosa, ...
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 
Samstag, 26. August 1967 / Nr. 197

Auch das Isselhorster Radio- und Fernsehfachgeschäft Radio Dücker erlebte diesen denkwürdigen Augenblick während der Eröffnungsfeier der „25. Großen Deutschen Funkausstellung“ in Berlin bereits mit. Gebannt hockte man vor dem einzigen im Geschäft befindlichen Farbfernsehgerät und erlebte die Geburtsstunde des Farbfernsehens.

Doch bis zur Geschäftseröffnung am 1. April 1967 war es für den Geschäftsinhaber Herbert Dücker ein weiter Weg. Zunächst galt es, von 1958-61 die durch anfängliche Bastelarbeiten am Küchentisch erworbenen Fähigkeiten durch eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker zu festigen. Während heute ein mit modernster Technik ausgestatteter PKW als Firmenfahrzeug dient, mußte damals noch mit einem mäßig gepolsterten Fahrradsattel vorlieb genommen werden. Das ein oder andere Radio wurde so zwischen Kunde und Reparaturwerkstatt hin und her transportiert.

Die Einzelhandelsgenehmigung im Jahre 1964 war ein weiterer Schritt in Richtung Selbständigkeit, so daß der Geschäftsbetrieb seinen Anfang nehmen konnte. Von 1964-67 verbrachte Herbert Dücker eine Hälfte seiner Arbeitszeit im ehemaligen Lehrbetrieb, jede freie Minute investierte er jedoch in den Aufbau seines eigenen Betriebes. 

Nachdem 1966 die Meisterprüfung geschafft war, entstand 1967 im elterlichen Haus an der Isselhorster Straße eine Reparaturwerkstatt für Radio- und Fernsehgeräte. Der viel zu kleine Verkaufsraum wurde 1971 durch einen angebauten Ladentrakt ersetzt, so daß 1972 das Ladengeschäft eröffnet werden konnte. 

Seither führten Anita und Herbert Dücker ihr Fachgeschäft als Familienbetrieb. Die Leistungsbereiche umfassen u.a. den Verkauf von TV, Hifi und Video, Satelliten- und Kabel-TV, Antenneninstallationen und Reparaturservice, wobei der Kundenservice einen hohen Stellenwert einnahmen.

Im Jahr 2008 wurde das offene Ladengeschäft bereits aufgegeben. Die Fachwerkstatt wurde in immer geringer werdendem Umfang weiter betrieben. Nach fast 50 Jahren Geschäftstätigkeit ist der Betrieb aus Altersgründen zum 8.01.2016 entgültig eingestellt worden. Unserer ehemaligen Kundschaft sagen wir ein herzliches Dankeschön.


Letzte Änderung: 31.10.2016 (Webmaster)